Inhalte und Zielpublikum
Das Modul richtet sich primär an Studierende im Lehramt für Deutsch (erstsprachig) in der Sekundarstufe, die sich auf ihre Examensprüfung vorbereiten. Es werden einerseits deskriptive grammatische Inhalte wiederholt und vertieft, andererseits wird systematisch geübt, wie grammatischen informiert Übungsmaterial für den Schulunterricht zusammengestellt werden kann. Im Interesse steht dabei durchgehend der fachwissenschaftliche Blickwinkel auf Grammatikvermittlung, nicht primär der didaktische. Da die Lehramtsausbildung auch für (angehende) Forschende und Lehrende in der germanistischen Linguistik die wichtigste sinn- und finanzierungsstiftende Säule ihrer Existenz ist, ist dieses Modul auch für Masterstudierende geeignet. Grundlage bilden meine Einführung in die grammatische Beschreibung des Deutschen (EGBD) sowie ausgewählte Auszüge aus der Literatur zu Grammatik im Lehramt (siehe unten).
Weitere Literatur (wird als Paket zur Verfügung gestellt)
- Bredel: Sprachbetrachtung und Grammatikunterricht
- Feilke: Bildungssprachliche Kompetenzen – Fördern und entwickeln
- Gogolin/Lange: Bildungssprache und durchgängige Sprachbildung
- Eisenberg/Menzel: Grammatikwerkstatt
- Eisenberg: Wieviel Grammatik braucht die Schule?
- Sayatz/Schäfer: Die germanistische Linguistik als Fachwissenschaft in der Lehramtsausbildung
Organisation
Das Seminar gliedert sich in zwei Phasen: eine dreiwöchige Eingangsphase mit der Lektüre zentraler Texte und einen umfangreicheren Hauptteil, in dem Woche für Woche ein grammatisches Phänomen funktional untersucht wird und studentische Vorkonzepte vorgestellt werden.
Eingangsphase: Lektüre zentraler Texte (ca. 3 Wochen)
In den ersten drei Wochen lesen wir wenige, gezielt ausgewählte Auszüge aus der Literatur zur Grammatik im Lehramt. Es gilt folgender Ablauf:
- Alle müssen immer die jeweiligen Texte/Textabschnitte gelesen haben.
- Sie wählen als Hausaufgabe einen für Sie zentralen Absatz (oder Textabschnitt) bis zu ca. einer halben Seite aus. Per Zufall werden in der Sitzung fünf Personen ausgewählt, die ihren jeweiligen Textabschnitt in 3–5 Minuten zusammenfassen, einordnen und auf praktische Fragen beziehen. Alle anderen können jederzeit Fragen stellen.
- Sie bringen zwei – offene und verständnisbezogene – Fragen aus der Textlektüre mit. Es dürfen keine einfachen Definitions- oder Wissensfragen sein. Diese Fragen geben Sie auf Karteikarten/Zetteln am Anfang der Sitzung ab. Wir beantworten die Fragen anschließend im Plenum.
Hauptteil: Funktionsanalyse und Vorkonzepte (ca. 10 Wochen)
In den verbleibenden Wochen werden von Woche zu Woche Teile aus der EGBD gelesen und im Seminar besprochen. Jede dieser Sitzungen besteht aus zwei Teilen.
Erster Teil: Lektüre und Funktionsanalyse
Wir besprechen die gelesenen Teile aus der EGBD inhaltlich und untersuchen die behandelten grammatischen Mittel auf ihre Funktion. Dabei kommen die klassischen Tests bzw. Proben nach Glinz zum Einsatz (Verschiebeprobe, Ersatzprobe, Weglassprobe usw.). Hinzu kommt – wo angemessen – meine Variantenprobe: Versuche einen Satz, in dem ein grammatisches Mittel X eingesetzt wird, so umzuformulieren, dass X nicht verwendet wird, ohne dass sich sonst etwas ändert. Dadurch kommt man der Funktion eines grammatischen Mittels näher und entwickelt Variantenbewusstsein. Spezifisch bildungssprachliche Funktionen grammatischer Mittel werden konsequent nach Feilkes Taxonomie von Explizieren – Verdichten – Verallgemeinern – Diskutieren eingeordnet.
Zweiter Teil: Vorstellung von Vorkonzepten
Im zweiten Teil stellen einzelne Teilnehmende Vorkonzepte für Unterrichtseinheiten zum grammatischen Thema der Vorwoche vor und stellen sie zur Diskussion.
Anforderungen an die Vorkonzepte
Über das Semester erstellen alle Teilnehmenden mindestens zwei Vorkonzepte zum selben Thema oder zu zwei verschiedenen Themen (z.B. Tempus, Konjunktiv, Objekte und Adverbiale, Relativsätze, Passiv). Es muss je ein Vorkonzept für die Niveaustufen 5.–7. Klasse und 8.–10. Klasse sein. Ein Vorkonzept umfasst:
- Faktenzusammenfassung (ca. eine A4-Seite): die wesentlichen Fakten zum grammatischen Phänomen, niveaugerecht aufbereitet.
- Beispiele (der Kern des Konzepts): eine Zusammenstellung von Sätzen und/oder kurzen Texten, an denen das Phänomen induktiv oder gemischt induktiv–deduktiv mit Schülern erarbeitet werden kann. Die Beispiele beginnen mit dem Kern des Systems und prototypischen, einfachen Fällen und folgen einer Progression zu komplexeren bzw. dem Kern ferneren Verwendungen.
- Lernzieldefinition nach Form und Funktion.
- Reflexion, wie stark induktiv oder deduktiv das Phänomen auf der jeweiligen Niveaustufe vermittelt werden kann oder sollte.
- Auswahl von Proben oder vergleichbaren Erkenntnisprozeduren, die bei der Arbeit mit den Beispielen angewendet werden können.
- Lehrplanbezug: ein knapper Überblick anhand des einschlägigen Lehrplans/Rahmenlehrplans für das Fach Deutsch, welche relevanten Kompetenzen durch das gewählte Thema vermittelt werden.
Abgrenzung: Spezifisch didaktische Vermittlungsaspekte (Methodik, Sozialformen, konkrete Stundenverlaufsplanung) werden bewusst nicht einbezogen. Das Seminar stellt die Rolle der linguistischen Fachwissenschaft bei der Erstellung von Aufgaben in den Mittelpunkt: Form und Funktion, Kern und Peripherie, Beispielprogression und Probenauswahl. Die geforderte Lernzieldefinition und die Induktiv-deduktiv-Reflexion dienen dabei nur dazu, die fachliche Materialauswahl zu rahmen, nicht als didaktische Verlaufsplanung.
Prüfung
- Mündliche Prüfung: Konzeption eines Vorkonzepts zu einem gegebenen Thema. Vor der Prüfung erhalten Sie 45 Minuten Vorbereitungszeit.
- Schriftliche Prüfung: eine Reihe von Grammatikaufgaben zur Wiederholung sowie ein Hauptteil, in dem – wie in der mündlichen Prüfung – ein Vorkonzept entwickelt werden soll.
- Hausarbeit: ein oder zwei ausgearbeitete Vorkonzepte mit gründlicher Recherche.