Über den Status von Personal an deutschen Universitäten

Die folgenden Punkte helfen Ihnen vielleicht, Ihre Universität und das Personal dort besser zu verstehen. Wie in jeder Organisation haben angestellte Personen unterschiedliche Status, auch wenn es für Sie vielleicht alles Dozent*innen sind. Dozent*in ist einfach nur der Oberbegriff für Person, die an der Universität lehrt.

Höhere akademische Weihen

  • Die Promotion ist eine Art Prüfung zum Ziel der Erlangung des Doktorgrades. Wie bei einem Master wird eine Abschlussarbeit (die Dissertation) vorgelegt, und es gibt einen mündlichen Prüfungsteil, der je nach Fakultät unterschiedlich geregelt ist (Disputation oder Rigorosum). Die Dissertation befähigt zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten. Dass man daraufhin so gut wissenschaftlich arbeiten und lehren kann, dass man für eine Professur qualifiziert ist, beweist man durch eine weitere, aber diesmal vollständig unabhängig zu erbringende Leistung: die Habilitation.
  • Die Habilitation ist ein Verfahren, mit dem man die volle Prüf- und Lehrbefugnis in einem akademischen Fach (die Venia legendi) erwirbt. Traditionell ist die Habilitation also die Voraussetzung dafür, sich um das Amt der Professur zu bemühen. Inzwischen gibt es auch andere Wege zur Professur. Das Verfahren ähnelt einem Promotionsverfahren, führt aber nicht zum Erwerb eines akademischen Titels. Eine Habilitation ändert nichts an der Anrede der Person.
  • Zum Sprachgebrauch: Man promoviert bei seinen Betreuer*innen/Gutachter*innen, aber man habilitiert sich an einer Fakultät. Achten Sie auf die Präpositionen und das Reflexivpronomen sowie die Tatsache, dass die Habilitation im Gegensatz zur Dissertation gerade keine Betreuer*innen hat.

Titel und Status

  • Ein*e Professor*in ist eine verbeamtete Person, die ein Universitätsfach in Lehre und Forschung vertritt, voll prüfungsberechtigt ist und in der Regel acht oder neun SWS pro Semester unterrichten muss. Im wesentlichen gibt es W2-Professuren und W3-Professuren ( W3 = Lehrstuhl). Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Bezahlung und nachrangig im Prestige.
  • Ein*e Emerita* (maskulin Emeritus, feminin Emerita) ist ein*e Professor*in im Ruhestand. Die Anrede erfolgt wie bei eine*r Professor*in.
  • Ein*e Privatdozent*in ist eine habilitierte Person, die keine Professur hat. Entweder ist sie anderweitig an einer Universität beschäftigt, außerhalb des akademischen Bereichs tätig oder arbeitslos. Als Anrede wird PD oder Priv.-Doz. usw. niemals benutzt. Die Anrede erfolgt wie bei Doktor*innen ohne Professur.
  • Ein*e Juniorprofessur ist eine Professur, die keine Habilitation voraussetzt und wurde als alternativer Weg zur vollen Professur geschaffen. Eigentlich sollte man von der Juniorprofessur ohne Habilitation direkt auf eine normale Professur berufen werden können.  In der Realität wird trotzdem dazu geraten, ein Habilitationsverfahren zu absolvieren. Juniorprofessor*innen erhalten im Vergleich zu vollen Professor*innen weniger Geld, haben weniger oder keine Mitarbeiter*innen und sind auf Zeit (i.d.R. fünf Jahre) beschäftigt. In vielen Fällen können Juniorprofessor*innen auf volle W2-Professuren “befördert” werden (sog. Tenure-Track-Juniorprofessuren). In der Anrede sind Juniorprofessor*innen genau wie Professor*innen zu behandeln.
  • Honorarprofessor*innen haben die Professorenwürde ehrenhalber erhalten. Sie erhalten ironischerweise gerade kein Honorar für ihre Tätigkeit. (Das Element “Honorar” bezieht sich leider auf das lateinische Wort honor für “Ehre”, nicht auf deutsch Honorar.) Rechtlich gesehen sind sie nebenberufliche Professor*innen, die entweder außerhalb der Universität arbeiten oder eine Mitarbeiter*innenstelle o.ä. haben. In der Anrede sind Honorarprofessor*innen genau wie Professor*innen zu behandeln.
  • Vertretungsprofessor*innen vertreten eine Professur, die momentan nicht dauerhaft besetzt (und damit vakant) ist. Je nach Art des Dienstvertrages und je nach Universität darf die Person den Professor*innentitel führen oder nicht. Es ist generell aber unüblich, dass Vertretungen den Titel führen, wenn sie nicht sowieso schon an einer anderen Universität einen Professor*innentitel haben und von dort für den Zeitraum der Vertretung beurlaubt wurden. Bei der Anrede hilft nur, zu fragen, wie die Person es handhabt.
  • Sogenannte wissenschaftliche Mitarbeiter sind meistens Personen, die entweder gerade promovieren oder sich gerade habilitieren. Sie arbeiten auf sogenannten Förderstellen und haben fast immer zeitlich befristete Verträge. Auf einer Promotionsstelle muss man normalerweise zwei SWS pro Semester und auf einer Habilitationsstelle vier SWS pro Semester unterrichten. Man kann per Gesetz maximal sechs Jahre als Doktorand*in und maximal sechs Jahre als Habilitand*in (auch neumodisch Post-Doc oder altmodisch Assistent*in) arbeiten. Danach (1) schafft man es auf eine Professur, (2) wird man entfristet (siehe nächster Punkt), was so gut wie nie geschieht, (3) wird man Lehrkraft für besondere Aufgaben, (4) arbeitet man auf befristeten Drittmittelstellen oder (5) wird man arbeitslos bzw. muss sich einen normalen Job suchen.
  • Es gibt wenige entfristete wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, die eine Dauerstelle haben und dann aber auch entsprechend mehr unterrichten müssen (meist acht SWS pro Semester oder mehr). Nur noch selten gibt es akademische Rät*innen (besser bezahlte entfristete wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, oft habilitiert). Anrede einfach gemäß akademischem Titel.
  • Lehrkräfte für besondere Aufgaben (LfbA, promoviert oder nicht) haben nicht immer, aber manchmal Dauerstellen. Ihre Aufgabe ist nur die Lehre, eigene Forschung wird in der Regel nicht erwartet. Die Lehrverpflichtung beträgt meist 16 SWS pro Semester, die Bezahlung ist mäßig angesichts der Qualifikation, die LfbAs meistens haben. Die Anrede erfolgt einfach gemäß akademischem Titel.
  • Mitarbeiter*innen auf sogenannten Drittmittelstellen können auch nach den zweimal sechs Jahren (siehe unter wissenschaftliche Mitarbeiter) befristet forschen. Sie werden dann aus Projektmitteln bezahlt, die extra und mit großem Aufwand von Professor*innen bei bestimmten Organisationen beantragt werden müssen, um ein bestimmtes Forschungsprojekt durchzuführen. Solche Stellen laufen immer nur drei bis sechs Jahre, mit viel Glück kann man zwölf Jahre in größeren Forschungsstrukturen (z.B. sogenannten Sonderforschungsbereichen) überbrücken. Danach ist man dann wieder am selben Punkt wie am Ende von wissenschaftliche Mitarbeiter beschrieben, also im ungünstigsten Fall arbeitslos. Anrede einfach gemäß akademischem Titel.